| Das waren einige anstrengende, aber auch schöne Tage auf der Soester Allerheiligenkirmes. Ich merke aber doch, dass auch ich nicht jünger werde und das feiern über mehrere Tage fällt schon um einiges schwerer als früher.
Die Tauben wurden in diesen Tagen nur sehr spartanisch versorgt. Futter und Wasser wurden, außer am letzten Donnerstag, jeden Tag gereicht und das war es dann auch. Sauber gemacht wurde nicht. Aber das hole ich dann in dieser Woche nach. Den Tieren schadet es ja nicht.
Wenn ich mir unsere Tiere im Moment so ansehe, dann kann ich nur (wie in fast jedem Jahr) feststellen, dass sie ohne großen Aufwand, d.h. ohne besondere Präparate, in diesem Jahr sogar ohne Mausermischung sehr gut und ohne Fehler mausern. Das könne sie aus sich heraus und da benötigen sie nicht zig Mittel oder gar einen Plan zur Versorgung in der Mauserzeit, wie ich es letztens von einem Sportfreund in einem Video gesehen habe.
In der Zeitschrift "De Duif" schreibt der Spitzenzüchter Willem de Bruijn in seiner Kolumne auch über das Thema und auch er mit all seiner Erfahrung und all seinen Erfolgen sieht es sehr ähnlich. Die Tauben brauchen in der Mauser nicht zig Beiprodukte und sie benötigen auch keine Mausermischung (bei Sportfreund de Bruijn bekommen sie auch keine, sondern immer das gleiche Futter).
Ich habe den Eindruck, dass ganz besonders bei uns in Deutschland die Mittelchengläubigkeit bzgl der Versorgung der Tauben in der Mauser oder in der Zucht oder in der Reise ungebrochen groß ist und kann mir das gar nicht wirklich erklären. Die meisten Züchter sind doch sehr lange dabei und sie haben sicherlich schon sehr, sehr viel in ihrem Züchterleben ausprobiert. Aber am Ende, das muss man doch ehrlich so sagen, haben die verschiedenen Beiprodukte doch fast nie einen Unterschied gemacht.
Wir haben hier schon Tauben auf verschiedenen Schlägen in der Mauserzeit völlig unterschiedlich versorgt. Und im Januar, wenn die Mauser vollständig abgeschlossen war, konnte man keinerlei Unterschied erkennen. Auch in der Reise haben wir das früher schon gemacht, als hier bei uns auf dem Dachboden noch ein Schlag mehr stand. Wir haben von den Witwerschlägen, die wir heute noch nutzen die Tauben so gereist wie immer und die Tauben auf dem ehemaligen Extra-Schlag ganz besonders versorgt mit allen möglichen Produkten einer bestimmten Firma nach Plan. Im Ergebnis gab es nachher keinerlei Unterschied bei dem was die Tauben geflogen haben.
Wir haben mal Tauben in der Mauser auf einem Schlag sehr regelmäßig mit Buttermilch versorgt und auch mit mehr Mineralien und einem speziellen Mauserprodukt und in den anderen Schlägen nicht. Und auch da war nie ein Unterschied nach Abschluss der Mauser zu sehen. Und auch nicht im folgenden Reisejahr.
Letztlich kann das auch jeder Züchter für seinen Bestand immer selbst entscheiden. Aber ich denke, dass es gerade in Zeiten wie gerade, in denen die Kosten doch überall erheblich steigen, sicherlich kein Fehler ist darüber nachzudenken, ob wirklich alles notwendig ist, was man den Tauben so "Gutes" angedeien lässt. Es mag doch das ein oder andere überflüssig sein.
Dieser Tage stellte ein Sportfreund, der unser Hobby noch nciht so lange betreibt, im Internet die interessante Frage welche Punkte im Brieftaubensport entscheidend sind und gab auch selbst sofort seine Einschätzung zum Besten:
40 Prozent funktionierender Schlag
30 Prozent Taubenqualität
10 Prozent Futter
10 Prozent Beiprodukte
5 Prozent Hygiene
5 Prozent Medikamente
Ich selbst habe auf diese Frage geantwortet, dass 90 Prozent die Taubenqualität ausmacht und der Rest halt drumherum passen muss. Und je länger ich mich mit Tauben beschäftige über die Jahre, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass meine Annahme in etwa stimmt. Denn eines steht fest: man kann sich den besten Schlag der Welt bauen lassen, man kann sich ein Top-Versorgungssystem mit Futter und Beiprodukten ausarbeiten lassen, man kann sich vom Tierarzt intensiv betreuen lassen und man kann die Schläge stets top gepflegt haben oder Trockenmistmethode machen oder was auch immer....ohne sehr gute Tauben nützt dieses alles nichts um an die Spitze zu kommen. Ja, man kann immer über Versorgung, über Medikamente, über die Funktionalität des Schlages usw diskutieren und sicher gibt es da auch immer etwas zu verbessern. Aber letztlich sind es Kleinigkeiten. Denn wenn die gute Taube nicht da ist, dann bringt es nichts. Dann kann ich bei den Tauben schlafen und alles unternehmen um sie in Form zu bekommen und den Schlag, wenn es notwendig ist, umbauen und verbessern....ich werde dann auch insgesamt sicherlich besser reisen. Aber der entscheidende Faktor bleibt die gute Taube. Denn mit keinem Mittel und keinem Schlag der Welt kann man aus einem Esel ein Rennpferd machen.
Und deswegen bleibt die Suche nach der guten Taube und ganz besonders der Versuch diese selbst zu züchten das Allerwichtigste im Brieftaubensport. Alles Andere (und somit beispielsweise auch die Versorgung in der Mauser usw.) sind ebenfalls spannende Aspekte in unserem Hobby. Aber sind sie und bleiben deutlich nachrangig aus meiner Sicht...
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