| Derzeit sind wir noch dabei die Tauben zu selektieren. Bei den Reisetauben ist das relativ einfach. Wir machen für uns eine Vorgabe was eine Alttaube oder eine jährige Taube geflogen haben muss und die Tiere, welche diese Vorgabe nicht erreicht haben, werden aus dem Bestand genommen.
Die Jungtauben lassen wir, unabhängig von der Reisleistung, erst einmal alle laufen und behalten sie für gewöhnlich auch, wenn sich nicht während der Herbst- und Wintermonate einige gesundheitliche Probleme zeigen oder die Jungtiere in anderer Weise negativ auffallen.
Bei den Witwerweibchen mache ich über das Jahr in einer Kladde immer einige Notizen. V.a. wenn sie irgendwie negativ auffallen. Sei es gesundheitlich, sei es, weil sie schlecht legen, nicht so paarig sind, wie wir uns das vorstellen oder weil sie im Schlag zu scheu sind oder ähnliches. So nehmen wir letztlich nach jeder Saison auch einige Witwerweibchen aufgrund dieser Notizen aus dem Bestand und diese werden dann wiederum durch junge Täubinnen ersetzt.
Der schwierigste Punkt ist eine Selektion bei den Zuchttauben. Selbstverständlich nehmen wir Zuchttiere aus dem Bestand, die in zwei oder allerhöchstens drei Jahren keine brauchbare Nachzucht gebracht haben. Außerdem auch Tiere, die vielleicht schon sehr gute Nachzucht gebracht haben, aber nur in Einzelfällen und nicht in der Breite oder wenn es uns zu lange zurück liegt, dass aus einenm Zuchttier mal eine gute Taube gekommen ist.
Wenn das alles abgeschlossen ist, dann nehme wir jede einzelne Zuchttaube in die Hand und schauen wie sie sich körperlich präsentiert. Denn Tauben sind ja unterschiedlich. Einige sind bis ins hohe Alter sehr vital, andere verlieren früher an Vitalität und das fühlt man dann auch. Die Körperspannung lässt nach, sie wirken dann ein wenig "ausgetrocknet" - es ist schwer zu beschreiben. Wenn uns eine Taube dann einen allzu nehativen Eindruck macht, kommt sie weg.
Natürlich kann man auch aus guten Tauben bis in ein recht fortgeschrittenes Alter noch gute Nachzucht züchten. Aber unserer Ansicht nach wird das dann mit zunehmendem Alter doch seltener.
Unser 526, der 2020 bester jähriger Vogel in Westfalen und 14.AS-Vogel BRD wurde, stammte auch aus Eltern, die in seinem Geburtsjahr 7 bzw. 9 Jahre alt waren. Aber beide waren (und sind auch heute noch, wobei seine Mutter leider nicht mehr legt) noch ausgesprochen vital. Sind die Tauben vital, können sie auch gute Nachzucht bringen. Aber irgendwann lässt das doch nach. Es hängt auch ein wenig damit zusammen wie man seine Zuchttauben halten kann. Idealerweise könnte man den Zuchttieren um ihre Vitalität zu erhalten, auch immer mal wieder Freiflug geben. Aber hier in der Gegend ist das bzgl der Greifvögel kaum möglich.
Wenn man einmal ehrlich ist muss man aber auch folgendes sagen: wieviele Zuchttauben gibt es wirklich, die regelmäßig bis ins hohe Alter immernoch gute Nachzucht bringen? Das ist doch eher selten. Die meisten sogenannten Zuchttauben sind letztlich doch nur Vermehrungstauben mit denen man manchmal ein wenig Glück hat gute Nachzucht zu züchten.
Wenn man allerdings einen solchen Top-Vererber mal in seinem Schlag hat, dann tut man gut daran ihn bis ins hohe Alter zu hegen und zu pflegen...meistens kriegt man so eine Taube nie wieder. | | |
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