| Leider geht es hier in diesen Tagen etwas turbulent zu. Daher kümmere ich mich wenig um die Tauben und kann auch den ein oder anderen Anruf nicht entgegen nehmen (bzw. bekomme ihn nicht mit) und es dauert manchmal bis ich Emails oder sonstige Nachrichten beantworten kann. Nichtsdestotrotz wünsche ich allen Lesern dieses Tagebuchs einen guten Rutsch ins Jahr 2023, ganz viel Gesundheit und selbstverständlich viel Freude an den Brieftauben. Unabhängig davon, dass es in Deutschland mit unserem so schönen Hobby immer weiter bergab geht, kann man doch täglich seinen Spaß an den Brieftauben haben. Egal ob man zehn Tiere hält oder fünfhundert (wobei ich mir manchmal denke, dass derjenige, der nur zehn Tauben hält, einfach viel mehr Freude an diesen haben kann).
Wenn man in die aktuelle Ausgabe der Verbandszeitschrift "Die Brieftaube" blickt, in der die Meister des Jahres 2022 gesammelt vorgestellt werden (an dieser Stelle einen ganz herzlichen Glückwunsch allen Siegern!), dann muss man zu der Feststellung kommen, dass wir in deutschen Brieftaubensport in den letzten Jahren fast alles falsch gemacht haben. Denn die Mitgliederzahlen und die Zahl der reisenden Schläge nehmen dramatisch ab. RVen mit weniger als zehn oder nur etwas mehr als zehn reisenden Schläge sind die Regel. Es ist ein einziges Trauerspiel.
Regional mag es durchaus seine Gründe haben, wenn irgendwo nur so wenige Züchter sind, dass die RVen aus nicht mehr als zehn oder fünfzehn reisende Schläge bestehen können. Aber in vielen Regionen wäre auch heute noch ein ordentlicher sportlicher Wettbewerb möglich, wenn man sich endlich dazu durchringen könnte, zu fusionieren, gemeinsam zu arbeiten und zusammen das Hobby zu betreiben.
Mein Lieblingsbeispiel ist da immer die Stadt Dortmund: dort könnte man aus den RVen Marten, Applerbeck, West und Scharnhorst eine tolle RV gründen, die von der Fläche noch kleiner wäre, als unsere RV hier in Warstein und die dann knapp einhundert reisende Schläge hätte. Das wäre doch ganz toll! Aber es gäbe dann eben immer nur ein Mal einen ersten Konkurs und nur einen ersten RV-Meister - und nicht vier davon. Und deswegen fummelt man so weiter vor sich hin.
Es gibt RVen, die beginnen die Reise mit unter fünfzehn reisenden Schlägen und mit unter 500 gesetzten Tauben und davon setzt dann ein Schlag noch 80 oder einhundert Tiere und am Ende macht dieser einzelne Schlag dann im Winter eine oder mehrere Auktionen und präsentiert stolz neun oder mehr erste Konkurse.
Was ich damit sagen will: dass es immer weniger reisende Schläge gibt können wir für den Moment nicht ändern. Aber wir müssen, um einen weiteren Zerfall des Hobbys zu verhindern, viel mehr zusammen arbeiten in Zukunft. Wir müssen fusionieren, die Arbeiten anders verteilen, die Finanzen gemeinsam organisieren und damit das Hobby Brieftaubensport zumindest erst einmal sportlich wieder attraktiv machen.
Dazu wäre auch in den RVen oftmals dringend eine Veränderung der Meisterschaftsbedinungen angezeigt. All dieses wird schon seit vielen Jahren blockiert: weil man auf den Pokal im Schrank oder die Urkunde an der Wand nicht verzichten will und in den letzten Jahren zunehmend auch aus kommerziellen Gründen, bleint immer alles beim Alten! Wer Tauben verkaufen will, der muss mit Erfolgen werben. Und das ist einfacher mit vielen Tauben in einer kleinen oder winzigen RV, als mit weniger Tauben in einer viel größeren RV.
Wenn man in die Zukunft blickt auf all die Schwierigkeiten in der Gesellschaft überhaupt Tiere und speziell Brieftauben zu halten, einen Schlag zu bauen usw. - dann hat unser Hobby nur im Kleinen eine Zukunft! Nur dann, wenn wir wieder dahin kommen, dass man auch mit einem kleinen Bestand erfolgreich in den Wettbewerben sein kann, hat der Brieftaubensport als Hobby, wie wir es kennen, eine Überlebenschance!
Überall wurde und wird versucht mit Tauben- und Gutscheinverkäufen Geld zu generieren. Es gibt massenhaft private Verkäufe und genau so viele Verkäufe zugunsten von RVen und anderen Organisationen. Das zeigt nicht nur, dass das Geld v.a. in den Organisationen alleine zum Überleben dringend benötigt wird, sondern auch, dass auch in Deutschland in unserem "sterbenden" Hobby noch solche Mengen an Geld im System sind, dass man damit viel Gutes für unseren Brieftaubensport anstellen könnte.
Was passiert stattdessen? Es versackt ein riesiger Teil des Geldes in privaten Schatullen. Züchter machen mehrere Auktionen pro Jahr, verkaufen alles was sie können (selbst alte und nicht brauchbare Tauben werden aufgrund ihrer vermeintlich guten Abstammung heute reihenweise verhökert (ganz ehrlich: ich würde mich schämen so etwas zu tun)), es gibt Totalverkäufe bei denen irgendwelche seltsamen Begründungen veröffentlicht werden, warum man den Taubensport nicht mehr so betreiben kann oder will - nur um dann im nächsten oder spätestens übernächsten Jahr wieder ganz normal an der Reise teilzunehmen und es wird alles getan um den eigenen Geldsack zu füllen!
Es gäbe so viele Möglichkeiten: als deutscher Brieftaubenverband hätte man schon längst eine hochkomfortable Auktionsplattform bauen können, die von allen Züchtern genutzt werden kann und wo dann ein geringer Betrag jeder Versteigerung dem Verband zukommt (aktuell zahlt man als Internet-Versteigerer ja auch eine Auktionsgebühr an Privatleute) - sozusagen als "Spende". Dieses Geld könnte für Werbung etc. genutzt werden. Ideen gäbe es sicher viele. Aber es muss angepackt werden. Schon sehr bald, schon im Jahr 2023. Ich fürchte allerdings, es wird sich, wie in all den Jahren zuvor, wieder alles im ständigen Kleinklein und dem überbordenden Egoismus verlieren. Aber man sollte ja die Hoffnung nicht aufgeben, dass auch wir Brieftaubenzüchter doch noch einmal "gescheit" werden...
In diesem Sinne wünsche ich nochmals Alles Gute für 2023 und trotz allem viel Freude an den Brieftauben!
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