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Dienstag, 11.02.2025
Sascha am 11.02.2025 um 16:53 (UTC)
 Am heutigen Nachmittag haben alle Zuchttauben noch einmal in ihren Volieren ein Bad genommen, sodass sie morgen zur Anpaarung auch ordentlich aussehen und sich wohl fühlen und dann soll es morgen losgehen mit der Verpaarunng. Ein neues Zuchtjahr ist immer eine spannende Angelegenheit. In aller Regel paaren wir hier in jedem Jahr alle Zuchttauben um und so weiß man vorher nie, was bei einer neuen Partnerkombination an Nachwuchs herauskommt. Aber genau das ist ja das Spannende und das Reizvolle im Taubensport.
Bei all den Überlegungen zur Verpaarung der Tauben in diesem Winter ist mir doch mehrmals der Gedanke gekommen, dass ich in absehbarer Zeit hier mal wieder etwas "frisches Blut" von dem ein oder anderen erfolgreichen Sportfreund einführen muss.
Aktuell geht es noch, aber irgendwann wird es bei der Verpaarung der Tauben dann doch "zu eng" in der Verwandtschaft und das möchte ich bei der Zucht von Reisetauben doch vermeiden. Derzeit ist der größte Teil unserer Zuchttauben doch irgendwie miteinander - mal weiter mal enger - verwandt. Es ist schön wenn man als Züchter eine Art "eigenen Stamm" hat. Aber man muss aufpassen, dass das alles nicht zum Selbstzweck wird und muss doch hier und da mal ein wenig "anderes Blut" einkreuzen. In diesem Jahr ist es aber hinsichtlich des Verwandtschaftsgrades unserer Tauben noch absolut in Ordnung, denke ich, aber ab dem Sommer muss ich dann mal ein wenig in die Zukunft schauen und versuchen die ein oder andere Taube mit "fremdem Blut" zu finden.
Die Reisetauben werde ich dann in etwa zwei Wochen verpaaren - so um den 27. oder 28., Februar herum. Je nachdem wie die Zeit es dann zulässt und sich alles entwickelt, werde ich sie in diesem Jahr wohl erst einmal nur ein paar Tage lang auf Eier kommen lassen und sie dann wieder trennen und dann eventuell später noch einmal kurz verpaaren. Die andere Möglichkeit wäre sie ein Mal überbrüten zu lassen und dann zu trennen und auf Witwerschaft umzustellen. Wir haben hier schon alles Mögliche gemacht in den vergangenen Jahrzehnten. Aber es spielt am Ende bezogen auf die Reiseleistung keine Rolle. Es muss nur zeitlich und vom Ablauf her alles irgendwie mit der Arbeit und der Familie übereinstimmen.
 

Sonntag, 09.02.2025
Sascha am 09.02.2025 um 16:34 (UTC)
 Der Plan hier ist nun, dass ich die Zuchttauben am kommenden Mittwoch, also in drei Tagen, anpaaren werde. Die Zuchttauben sind soweit, denke ich, gut vorbereitet und ab Mittwoch habe ich dann hoffentlich ein paar Tage Zeit mich um die Tiere zu kümmern. Ich nehme mit dann viel Zeit um die Paare in den Zellen festzusetzen, zu beobachten ob sie sich mögen (wenn sich einander zugedachte Partner nicht mögen, dann paare ich die Tiere auch nicht zusammen, sondern suche einen anderen Partner aus) und in der Folge dann viel Zeit um die Paare einzeln aus den Zellen herauszulassen, sie fressen und saufen zu lassen, den Tretakt einzeln und störungsfrei auch im Schlag zuzulassen usw. Das dauert mehrere Tage und meistens lasse ich alle Zuchtpaare erst etwa am fünften Tag nach der Anpaarung sich frei im Schlag bewegen.
Auf diese Weise kommt es hier in aller Regel trotz Umpaarungen zum Vorjahr und trotz der Tatsache, dass v.a. einige Täubinnen andere Zellen und andere Partner im gleichen Schlag wie im Jahr zuvor haben, eigentlich nie zu Problemen. Eiablagen in falschen Zellen, durch Kämpfe zerstörte Eier, blutige Köpfe oder ähnliche Schwierigkeiten haben wir hier eigentlich nie. Es gab mal direkt am Tag der Anpaarung vor zwei oder drei Jahren ein Problem, als ein Vogel in meiner Abwesenheit eine Täubin blutig gepickt hatte (mir waren damals Karnevalskinder dazwischen gekommen), aber das ist letztlich der einzige Fall in den letzten bestimmt zwei Jahrzehnten, an den ich mich erinnere, wo es wirklich einmal problematisch war.
Ich höre und lese manchmal davon, dass Züchter Schwierigkeiten haben, weil Tauben falsche Zellen anfliegen, miteinander Kämpfen, Gelege abgeräumt oder zerstört werden usw. Für mich liegt das in aller Regel daran, dass die Zuchtschläge oft überbesetzt sind auf zu kleiner Fläche und das Zücher sich zu wenig Zeit nehmen sich um die Tauben zu kümmern, Aber um was will ich mich kümmern, wenn nicht um die frisch verpaarten Zuchttauben? Diese sollen die Zukunft eines Bestandes groß ziehen. Jungtauben, die gesund sind und die Qualität haben sich zu guten Reisetauben zu entwickeln. Wenn man dann, wie wir selbst, nur zwei oder maximal drei Gelege aus jedem Zuchtpaar für den Eigengebrauch aufzieht, dann kann man sich keine großen Ausfälle leisten neben dem möglicherweise in oder anderen von Natur aus unbefruchteten Ei. Aber selbst da muss ich sagen: wenn man den einzelnen Paaren entsprechend Zeit gibt und sie sich auch immer wieder alleine im Schlag bewegen dürfen, dann sind unbefruchtete Eier eher selten, wenn die Vögel noch zeugungsfähig und die Täubinnen gesund sind.
Die Anpaarung der Zuchttauben und die Aufzucht der Jungtiere ist im Grunde genommen die wichtigste Zeit im gesamten Brieftaubenjahr. Mit einer angepassten Versorgung und gesunden Tauben sichere ich in dieser Phase die Zukunft meines Bestandes. Was nützt es, wenn ich neue Tauben in der Zucht einführe (teilweise vielleicht für viel Geld) oder hevorragende eigene Reisetauben in den Zuchtschlag übernehme und ich mich dann am Ende zu wenig um die Zuchttauben und ihr Brut- und Aufzuchtgeschäft kümmere und dann womöglich kein optimales Aufwachsen der Jungtiere gewährleiste?! Es ist wie später im Reiseschlag auch: mit etwas Arbeit und v.a. Geduld und guter Bebachtung der Tauben kann man ausgezeichnete Resultate erzielen.
 

Samstag, 08.02.2025
Sascha am 08.02.2025 um 03:51 (UTC)
 Leider komme ich derzeit nicht dazu hier regelmäßig etwas zu schreiben. Es sind neben der Arbeit zu viele andere Dinge zu erledigen. In unseren Schlägen tut sich allerdings auch derzeit nicht viel Aufregendes. Die Zuchttauben werden, so wie ich es beschrieben habe, auf die Anpaarung in der kommenden Woche vorbereitet und die Reisetauben werden noch sehr ruhig gehalten. Die Wettervorhersagen für die kommende Woche sind eigentlich sehr ordentlich. Es wird wohl trocken und teilweise sonnig sein, wobei es sein kann, dass gegen Ende der Woche die Nächte noch einmal sehr kalt werden. Aber die Meteorologen sind sich da noch nicht ganz einig und entscheidend ist am Ende, dass die Tage recht hell sind und auch nicht so kalt - dann wird die Paarungsbereitschaft der Zuchttauben schon gut sein.
Derzeit befasse ich mich sehr viel damit wie ich die Reisetauben in der kommenden Saison führen möchte. Ich hatte bereits darüber geschrieben, dass sich hier ja leider während der Reisezeit einiges ändern muss. Das betrifft in erster Linie den Freiflug der Tauben, der künftig unregelmäßiger und nur ein Mal am Tag stattfinden kann und außerdem die Fütterung, die ich umstellen werde auf eine Art Standfutter.
In diesem Zusammenhang habe ich zuletzt viel gelesen und einige Videos angeschaut. wenn es die Zeit zuließ und mich hier und da auch mit anderen Sportfreunden ausgetauscht. Grundsätzlich halte ich die neuen Umstände für nicht problematisch, auch wenn eine größere Regelmäßigkeit hinsichtlich Freiflug und Versorgung sicherlich der Form der Witwervögel zuträglicher wäre.
Ich möchte den Tauben letztlich ein Futter als Standfutter reichen, aus dem sie sich selbst aussuchen können was sie mögen und was sie benötigen. Die Reste werde ich dann ein Mal am Tag entfernen und die Tröge dann wieder auffüllen.
Auch wenn viele bekannte und erfolgreiche Sportfreunde vielleicht nicht direkt mit Standfutter arbeiten, so gehen doch viele dieser Züchter hin und reichen den Tieren Futtermischungen, die sehr variantenreich sind und aus denen die Tauben dann herausfressen können, was sie möchten. Letztlich ist es wahrscheinlich ja so, dass die Taube am Besten weiß was sie benötigt.
Durch eine solche Versorgung kann man wahrscheinlich nicht ganz so "auf den Punkt" zum Flug hin füttern, aber es sollte reichen um trotzdem vernünftig Preise zu fliegen.
Darüber hinaus werde ich wohl aufgrund des Standfutters völlig davon absehen irgendwelche Beiprodukte an das Futter zu mischen. Stattdessen werde ich diese dann über das Wasser reichen. Aber es werden sicherlich sehr wenige Dinge sein, welche dann über das Wasser angeboten werden. Wenn überhaupt....Wenn ich sehe wie einfach beispielsweise Bas Verkerk in den Niederlanden seine Tauben zu herausragenden Erfolgen führt, dann kommen mir schon immer wieder Gedanken, dass die allermeisten Beiprodukte wohl nicht notwendig sind.
Zunächst einmal möchte ich auch abwarten wie unser Reiseprogramm für die kommende Saison nun am Ende aussieht. Die neuen Meisterschaften und Regelungen unseres Verbandes bieten auch einige Möglichkeiten unser Hobby auch etwas attraktiver zu machen. Ich hoffe, dass man diese Gelegenheit hier nun auch nutzt.
 

Mittwoch, 05.02.2025
Sascha am 05.02.2025 um 11:41 (UTC)
 Hier haben wir es über sehr viele Jahre mit den Zuchttauben so gehalten, dass wir sie etwa vier Wochen vor der Verpaarung ein Mal pro Jahr ausgiebig gegen Trichomonaden behandelt haben. Ich hatte schon darüber geschrieben, dass ich eine rechtzeitige Behandlung vor der Anpaarung für sinnvoller erachte, als eine Kur auf einem Gelege.
Im vergangenen Jahr habe ich die Zuchttauben allerdings überhaupt nicht gegen Trichomonaden gekurt und sowohl das Befruchtungs- als auch das Schlupfergebnis waren hervorragend. Auch das Aufwachsen der Jungtiere gestaltete sich völlig problemlos.
Ich habe zuletzt häufig darüber nachgedacht ob ich die Zuchttauben wieder gegen Trichomonaden behandele wie früher oder ob ich es unterlasse. Inzwischen ist es für eine Kur, so wie wir es immer gehandhabt haben, ohnehin zu spät. Ich könnte die Zuchttauben nur noch auf Eiern behandeln. Aber inzwischen bin ich der Meinung, dass es besser ist, sie gar nicht zu behandeln. Sie sehen gut aus und ich werde, sobald ich sie verpaart habe, einmal einige Abstriche machen und mit meinem Mikroskop untersuchen und wenn ich dann keinen gravierenden Befund habe (d.h. dass ich im Abstrich haufenweise Trichomonaden finde), dann werde ich in diesem Jahr erneut keine Kur durchführen.
Je weniger Medikamente man einsetzt und einsetzen muss in seinem Bestand, desto besser ist es auf die Dauer. Es wird künftig auch nicht einfacher werden diverse Medikamente, wie beispielsweise Trichomonaden-Präparate, zu bekommen. Selbst die Tierärzte haben da immer größere Schwierigkeiten. Daher müssen wir alle versuchen unsere Tauben auf natürliche Weise möglchst gesund zu halten. Das ist letztlich ja auch möglich in weiten Teilen. In der Reisezeit vielleicht nicht immer, aber ansonsten sollte es eigentlich machbar sein, dass man keine Medizin einsetzen muss.
Und ehrlich gesagt will ich es auch einfach nicht mehr, wenn eine Medikamentengabe nicht unbedingt notwendig und vom Tierarzt verordnet ist - so wie ich unsere Tauben beispielsweise im letzten Herbst unbedingt behandeln musste. Aber das habe ich letztlich selbst verschuldet und die Erkrankung wäre eigentlich in der Form vermeidbar gewesen.
Die Zuchttauben selbst hatte ich im Herbst ja auch nicht behandelt, denn sie sahen durchgängig gut aus und machten keine Probleme. Sie haben auch die später vorgenommenen Impfungen (Salmonellen, PMV-Rota, Pocken) einwandfrei verkraftet und das hat mir doch gezeigt, dass es tatsächlich nicht notwendig gewesen wäre sie zu behandeln.
Die Reisetauben werde ich in absehbarer Zeit noch einmal beim Tierarzt vorstellen und schauen ob sie in irgendeiner Form behandelt werden müssen. Aber bei den Zuchttauben soll es in 2025 erneut ohne Medikamente funktionieren.
 

Dienstag, 04.02.2025
Sascha am 04.02.2025 um 06:32 (UTC)
 Morgen in einer Woche werde ich, wenn nichts dazwischen kommt, die Zuchttauben anpaaren. Ich habe in den letzten Tagen immer wieder Zuchtvögel und Zuchtweibchen in die Hand genommen und das Gewicht kontrolliert und ihre Verfassung. Die gefallen mir insgesamt richtig gut. Sie sind nicht zu fett, aber sie haben auch nicht zu wenig auf den Rippen. Zuchttauben können vor der Verpaarung sicherlich ein wenig schwerer sein, denn in der Zeit des Treibens verlieren sie oft noch etwas an Gewicht, weil sie ständig in Bewegung sind und teilweise wenig fressen.
Als Futter erhalten sie aktuell noch eine Mischung aus zwei Dritteln Zucht- und Mauserfutter und einem Drittel Gerste und Paddy-Reis. Den Anteil von Gerste und Paddy-Reis werde ich in den nächsten Tagen nach und nach auf etwa zehn Prozent verringern und gleichzeitig etwas Hanf und Sämereien in das Futter mischen. Dabei bleibt es dann erst einmal bis kurz vor dem Schlüpfen der Jungtiere.
Die Tauben bekommen nun wieder zwei Mal in der Woche flüssige Hefe von Dr. Wolz und etwas flüssiges Lezithin über das Futter. Dieses wird abgetrocknet mit dem Mineral- und dem Konditionspulver von Dr. Marien und ich gebe jetzt dazu bis zur Eiablage noch ein Mal wöchentlich einen Beutel Belgabion von de Weerd - das ist ein Multivitamin.
Als Mineralmischung bekommen sie, so wie das ganze Jahr über, das Picobal der Firma Klaus und dazu Pickstein von Spinne und Röhnfried. Zur freien Aufnahme steht auch noch ein rotes Mineralpulver von Paloma bereit, dass ich mit 50 Prozent Heilerde gemischt habe. Über das Trinkwasser gebe ich den Tauben in dieser Zeit gar nichts. Im Grunde genommen werde ich die Versorgung beibehalten bis die Eier liegen.
Wenn die Jungtiere dann geschlüpft sind werde ich in diesem Jahr Standfutter geben über die Futterautomaten. Ich werde dann gar keine Beiprodukte mehr über das Futter geben und während der Wachstumsphase der Jungtauben nur hier und da Vitamine und Aminosäuren über die Tränke. Aber das werde ich dann zur gegebenen Zeit hier aufschreiben.
Ob das alles so notwendig ist möchte ich auch dahingestellt lassen. Aber im Grunde genommen machen wir das hier seit vielen Jahren immer gleich und die entscheidenden Beiprodukte sind die Pulver von Dr. Marien, die unsere Tauben das ganze Jahr über immer ein oder zwei Mal in der Woche bekommen. Ob Mauserzeit, Zuchtzeit, Reisezeit oder Ruhezeit. Mineral- und Konditionspulver gibt es hier immer und damit sind wir in den letzten 15 Jahren auch sehr gut gefahren.
 

Sonntag, 02.02.2025
Sascha am 02.02.2025 um 16:39 (UTC)
 Tagsüber haben wir hier in diesen Tagen nun herrlichen Sonnenschein und blauen Himmel. Die Tauben liegen in den Volieren am Tag in der Sonne und lassen es sich gut gehen. Teilweise beginnen sogar die Reisevögel schon untereinander zu paaren, wie ich heute in der Voliere beobachten konnte. Auch die Weibchen in ihrer Voliere werden schon etwas "unruhig".
Man kann das Verhalten wohl etwas durch die Fütterung beeinflussen, aber wenn sie in Form kommen, dann kommen sie in Form, auch wenn man etwas knapper und leichter füttert. Früher wurde traditionell an Mariä Lichtmess, also heute, am 2. Februar, gepaart und das ging immer sehr gut ohne zu Belichten o.ä.
Ich werde unsere Zuchttauben erst in etwa 10 Tagen anpaaren und ich weiß jetzt schon, dass ich für eine gelungene Verpaarung der Tauben sicher vorher nicht belichten muss. Das sieht man schon am Benehmen der Tauben.
Ich werde nur das Futter ein wenig "aufwerten" mit etwas Hanf und Sämereien und das ist dann schon alles. Mehr muss man nicht tun und deswegen züchtet man am Ende nicht mehr gute oder schlechte Tauben als wenn man einen größeren Aufwand betreibt.
Ich werde in diesem Jahr einmal versuchen hier im Blog genau aufzuschreiben wie ich unsere Zuchttauben führe und was sie als Futter und gegebenenfalls Beiprodukten erhalten und auch wie ich es später bei den abgesetzten Jungtauben mache.
Ich möchte damit darstellen, dass man (hoffentlich) gute Tauben aufziehen kann, ohne dass man sie mit großen Mengen Nüssen, Mais und Hanf, sowie Katzentrockenfutter versorgt wie es Franz Steffl in der aktuellen "Brieftaube" beschreibt.
In unser Futter, dass die Jungtauben direkt nach dem Absetzen bekommen, mische ich übrigens auch immer Hanf und Erdnüsse und extra großen Mais. Aber das nur zu einem "normalen" Prozentsatz. Die Jungtiere bekommen dann auch erst frisches Futter, wenn alles aufgefressen ist und so lernen sie ebenfalls das Fressen der großen Körner.
Die Versorgung der Tauben mit Katzentrockenfutter hat Franz Steffl vom niederländischen Spitzenzüchter Willen de Bruijn übernommen, der dieses schon mehr als zehn Jahre so praktiziert. Wenn man den Tauben zusätzlich tierisches Eiweiß zukommen lassen will und dazu einige Vitamine und Mineralstoffe, dann ist das sicher kein falscher Weg. Aber für mich käme das nicht in Frage, denn man muss bei der Dosierung und der Hygiene schon sehr aufpassen und dafür fehlt mir manchmal auch einfach die Zeit.
Auch mit einer herkömmlichen Versorgung kann man super Jungtauben absetzen und aufzüchten und die sind nachher nicht schlechter als Tauben, die (für mich) recht übertrieben versorgt werden.
Dabei komme ich auch immer wieder zu dem Schluß dass wir bei der Versorgung unserer Tauben einfach falsch denken. Der Ansatz ist sehr häufig, dass man den Tauben am Besten rundum alles was sie brauchen (Eiweiß, Kohlehydrate, Fette, Vitamine, Mineralien, Spurenelemente usw. usw.) eher im Überfluss und reichlich verabreichen müssen, damit sie optimal aufwachsen und leistungsfähig werden.
Ich glaube nicht daran, dass das so extrem notwendig ist.
Die besten Sportler (Leichtathleten, Schwimmer, Radfahrer usw.) der Welt sind oft in Verhältnissen aufgewachsen, in denen ihnen eben nicht alles ausreichend oder gar im Überfluss zur Verfügung stand. Oft kommen die allerbesten Sportler gerade im Leichtathletik-Bereich aus Ländern, in denen es hinsichtlich der Ernährung und Versorgung teilweise deutliche Mängel gibt. Das hat sie aber nicht daran gehindert jene Talente durch Fleiß und Training zu entwickeln, die ihnen genetisch in die Wiege gelegt wurden.
Bezogen auf unsere Tauben heißt das für mich: ich mache eine Jungtaube nicht dadurch zu einer besseren Reisetaube, dass ich sie rundum versorge mit allem was es ernährungstechnisch so gibt. Die Qualitäten, die eine Taube benötigt, um eine gute Reisetaube zu werden, liegen in erster Linie in ihren Genen und müssen dann durch den Züchter durch Ausbildung, Training, Motivation usw. zum Vorschein gebracht werden.
Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass (vereinfacht gesagt) Gene je nach Umständen und Umwelteinflüssen an- oder abschaltet werden und so die Proteinproduktion in bestimmten Zellen steuern. Ob Klima, Sport, Dauerstress, Gefühle, Hunger oder ständige Überernährung – Einflüsse aller Art können Zellen epigenetisch programmieren und ihre Funktionsweise dauerhaft verändern. Einmal programmiert, geben diese Zellen epigenetische Strukturen an ihre Tochterzellen weiter. Auf diese Weise kann eine früh erworbene Eigenschaft bis ins hohe Alter erhalten bleiben.
Besonders sensibel auf Umwelteinflüsse reagieren Zellen in Phasen der Organreifung, also im Mutterleib bzw. bei unseren Tauben im Ei, nach der Geburt bzw. dem Schlüpfen und in der frühen Kindheit.
In dieser Phase sollte den Tauben sicherlich alles Notwendige in ihrer Ernährung zur Verfügung stehen. Aber alles was übertrieben ist, ist, so denke ich, auf die Dauer nicht ideal für die Tauben und ihre Entwicklung.
Füttere ich beispielsweise nach dem Absetzen ein Futter, dass zu einem Drittel aus Mais, einem Drittel aus Erdnüssen und einem Drittel aus Hanf besteht, dann versorge ich die Tauben mit deutlich zu viel Rohfett (mehr als 25 Prozent) und Roheiweiß (mehr als 18 Prozent). Sie sehen dabei natürlich super aus. So wie kleine Kinder, die ein ein wenig zu füllig sind. Aber ob das dann am Ende die besten Sportler werden möchte ich dann doch einmal dahingestellt lassen. Selbstverständlich finden sich auch unter Tauben, die auf diese Weise ernährt werden, hervorragende Reisetauben. Diese landen dann in den Zuchtschlägen und geben das was ihnen epigenetisch (auch durch ihre Ernährung) weitergegeben wurde, wieder an ihre Nachzucht weiter. Das eine bedingt eben immer das andere und nachfolgende.
Ich persönlich denke, dass wir unsere Tauben einfach "normal" führen und ein wenig an der Natur bleiben sollten. Sie sollten selbstverständlich keinen Mangel leiden. Aber zu viel bleibt auch immer zu viel und es wirkt sich dann in der Zukunft auch immer aus - teilweise über Generationen.
 

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