| Tagsüber haben wir hier in diesen Tagen nun herrlichen Sonnenschein und blauen Himmel. Die Tauben liegen in den Volieren am Tag in der Sonne und lassen es sich gut gehen. Teilweise beginnen sogar die Reisevögel schon untereinander zu paaren, wie ich heute in der Voliere beobachten konnte. Auch die Weibchen in ihrer Voliere werden schon etwas "unruhig".
Man kann das Verhalten wohl etwas durch die Fütterung beeinflussen, aber wenn sie in Form kommen, dann kommen sie in Form, auch wenn man etwas knapper und leichter füttert. Früher wurde traditionell an Mariä Lichtmess, also heute, am 2. Februar, gepaart und das ging immer sehr gut ohne zu Belichten o.ä.
Ich werde unsere Zuchttauben erst in etwa 10 Tagen anpaaren und ich weiß jetzt schon, dass ich für eine gelungene Verpaarung der Tauben sicher vorher nicht belichten muss. Das sieht man schon am Benehmen der Tauben.
Ich werde nur das Futter ein wenig "aufwerten" mit etwas Hanf und Sämereien und das ist dann schon alles. Mehr muss man nicht tun und deswegen züchtet man am Ende nicht mehr gute oder schlechte Tauben als wenn man einen größeren Aufwand betreibt.
Ich werde in diesem Jahr einmal versuchen hier im Blog genau aufzuschreiben wie ich unsere Zuchttauben führe und was sie als Futter und gegebenenfalls Beiprodukten erhalten und auch wie ich es später bei den abgesetzten Jungtauben mache.
Ich möchte damit darstellen, dass man (hoffentlich) gute Tauben aufziehen kann, ohne dass man sie mit großen Mengen Nüssen, Mais und Hanf, sowie Katzentrockenfutter versorgt wie es Franz Steffl in der aktuellen "Brieftaube" beschreibt.
In unser Futter, dass die Jungtauben direkt nach dem Absetzen bekommen, mische ich übrigens auch immer Hanf und Erdnüsse und extra großen Mais. Aber das nur zu einem "normalen" Prozentsatz. Die Jungtiere bekommen dann auch erst frisches Futter, wenn alles aufgefressen ist und so lernen sie ebenfalls das Fressen der großen Körner.
Die Versorgung der Tauben mit Katzentrockenfutter hat Franz Steffl vom niederländischen Spitzenzüchter Willen de Bruijn übernommen, der dieses schon mehr als zehn Jahre so praktiziert. Wenn man den Tauben zusätzlich tierisches Eiweiß zukommen lassen will und dazu einige Vitamine und Mineralstoffe, dann ist das sicher kein falscher Weg. Aber für mich käme das nicht in Frage, denn man muss bei der Dosierung und der Hygiene schon sehr aufpassen und dafür fehlt mir manchmal auch einfach die Zeit.
Auch mit einer herkömmlichen Versorgung kann man super Jungtauben absetzen und aufzüchten und die sind nachher nicht schlechter als Tauben, die (für mich) recht übertrieben versorgt werden.
Dabei komme ich auch immer wieder zu dem Schluß dass wir bei der Versorgung unserer Tauben einfach falsch denken. Der Ansatz ist sehr häufig, dass man den Tauben am Besten rundum alles was sie brauchen (Eiweiß, Kohlehydrate, Fette, Vitamine, Mineralien, Spurenelemente usw. usw.) eher im Überfluss und reichlich verabreichen müssen, damit sie optimal aufwachsen und leistungsfähig werden.
Ich glaube nicht daran, dass das so extrem notwendig ist.
Die besten Sportler (Leichtathleten, Schwimmer, Radfahrer usw.) der Welt sind oft in Verhältnissen aufgewachsen, in denen ihnen eben nicht alles ausreichend oder gar im Überfluss zur Verfügung stand. Oft kommen die allerbesten Sportler gerade im Leichtathletik-Bereich aus Ländern, in denen es hinsichtlich der Ernährung und Versorgung teilweise deutliche Mängel gibt. Das hat sie aber nicht daran gehindert jene Talente durch Fleiß und Training zu entwickeln, die ihnen genetisch in die Wiege gelegt wurden.
Bezogen auf unsere Tauben heißt das für mich: ich mache eine Jungtaube nicht dadurch zu einer besseren Reisetaube, dass ich sie rundum versorge mit allem was es ernährungstechnisch so gibt. Die Qualitäten, die eine Taube benötigt, um eine gute Reisetaube zu werden, liegen in erster Linie in ihren Genen und müssen dann durch den Züchter durch Ausbildung, Training, Motivation usw. zum Vorschein gebracht werden.
Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass (vereinfacht gesagt) Gene je nach Umständen und Umwelteinflüssen an- oder abschaltet werden und so die Proteinproduktion in bestimmten Zellen steuern. Ob Klima, Sport, Dauerstress, Gefühle, Hunger oder ständige Überernährung – Einflüsse aller Art können Zellen epigenetisch programmieren und ihre Funktionsweise dauerhaft verändern. Einmal programmiert, geben diese Zellen epigenetische Strukturen an ihre Tochterzellen weiter. Auf diese Weise kann eine früh erworbene Eigenschaft bis ins hohe Alter erhalten bleiben.
Besonders sensibel auf Umwelteinflüsse reagieren Zellen in Phasen der Organreifung, also im Mutterleib bzw. bei unseren Tauben im Ei, nach der Geburt bzw. dem Schlüpfen und in der frühen Kindheit.
In dieser Phase sollte den Tauben sicherlich alles Notwendige in ihrer Ernährung zur Verfügung stehen. Aber alles was übertrieben ist, ist, so denke ich, auf die Dauer nicht ideal für die Tauben und ihre Entwicklung.
Füttere ich beispielsweise nach dem Absetzen ein Futter, dass zu einem Drittel aus Mais, einem Drittel aus Erdnüssen und einem Drittel aus Hanf besteht, dann versorge ich die Tauben mit deutlich zu viel Rohfett (mehr als 25 Prozent) und Roheiweiß (mehr als 18 Prozent). Sie sehen dabei natürlich super aus. So wie kleine Kinder, die ein ein wenig zu füllig sind. Aber ob das dann am Ende die besten Sportler werden möchte ich dann doch einmal dahingestellt lassen. Selbstverständlich finden sich auch unter Tauben, die auf diese Weise ernährt werden, hervorragende Reisetauben. Diese landen dann in den Zuchtschlägen und geben das was ihnen epigenetisch (auch durch ihre Ernährung) weitergegeben wurde, wieder an ihre Nachzucht weiter. Das eine bedingt eben immer das andere und nachfolgende.
Ich persönlich denke, dass wir unsere Tauben einfach "normal" führen und ein wenig an der Natur bleiben sollten. Sie sollten selbstverständlich keinen Mangel leiden. Aber zu viel bleibt auch immer zu viel und es wirkt sich dann in der Zukunft auch immer aus - teilweise über Generationen. | | |
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